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Mittwoch, 28. Februar 2024

[Rezension] Honesty - Was die Wahrheit verbirgt von Franzi Kopka

Hallo ihr Lieben,
wir haben einen neuen Autorinnenstar am Dystopien-Himmel, Franzi Kopka hat mit "Gameshow" letztes Jahr schon sehr viele begeistert. Nun startet mit "Honesty - Was die Wahrheit verbirgt" ihre neue dystopische Trilogie. Ich habe den Auftaktband bereits lesen können und möchte euch heute meine Meinung mitteilen - viel Spaß dabei!


Autorin: Franzi Kopka

Verlag: Fischer Sauerländer
Originalsprache: Deutsch
Kategorie: Jugendbuch/ Dystopie
Ab 14 Jahren
Erster Band der Honesty-Trilogie
480 Seiten
Gebundene Ausgabe 19,90€ (D), E-Book 16,99€ (D)
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*Dieses Buch hat mir der Fischer Verlag freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt natürlich vollkommen ehrlich.*



Nach der großen Pandemie und einem erbitterten Krieg herrscht in Sestiby vollkommener Frieden. Eine allgegenwärtige KI sorgt für die Bevölkerung. Lügen gehören der Vergangenheit an, genau wie jene Emotionen, die Menschen unbedacht handeln lassen: Misstrauen, Eifersucht oder Wut. Nur Mae spürt diese verbotenen Gefühle – Gefühle, die sie ihr sicheres Leben kosten könnten. Als sie in das Partnerschaftsprogramm der Regierung gesteckt wird, steht sie unter strengster Beobachtung. Sie tut alles, um nicht aufzufliegen, wäre da nur nicht dieser gefährlich attraktive Typ mit den frostblauen Augen, der sie immer wieder provoziert – bis er ihr ganzes Weltbild mit nur einem Satz zum Einsturz bringt. (Quelle: fischerverlage.de/Februar2024)



Auf den ersten Blick wirkt die Gestaltung schlicht, aber diese Schlichtheit hat es in sich. Ich würde den dunklen Look mit den Kupferelementen am ehesten als edel bezeichnen, was sehr gut zu der Grundstimmung der Geschichte in Sestiby passt. Frei dem Motto "Es ist nicht alles Gold, was glänzt" hat auch diese vermeintlich makellose Welt ihre Risse. Insgesamt ist das Design sehr hochwertig und mit den Farbschnitt der Erstauflage ein besonderer Hingucker.


Wir befinden uns in einer Zukunftsvision um 2300, diverse Krisen haben die Erde gezwungen, sich neue Systeme und menschliche Spielregeln zu überlegen. Sestiby ist geprägt von der Wahrheit, und nichts als der Wahrheit. Die Menschen nehmen ein Wahrheitsserum in Tablettenform ein, damit Lügen keinen Raum mehr haben und somit auch destruktive Gefühle wie Angst, Wut oder Hass abgeschwächt werden - alles soll in bester Ordnung sein. So auch Partnerschaften, die bis zum 21 Lebensjahr geschlossen werden sollen, was durch das neue Partnerschaftsprogramm PEP nun noch simpler sein soll. Mae wird dazu in ein Camp geschickt, um mittels verschiedener Tests dem perfekten Partner zugewiesen zu werden. Doch sie ahnte nicht, dass ihre Zeit in Camp Eins ihr Leben vollkommen auf den Kopf stellen und sie an dem gesamten System Zweifel hegen würde...


Franzi Kopka zeichnet in dieser Dystopie ein sehr spannendes Zukunftsszenario mit einigen bekannten, aber auch vielen neuen Elementen. Das kastenartige System der Ringe mutet wieder ein bisschen an die Distrikte in "Die Tribute von Panem" an, aber danach verlaufen sich die Ähnlichkeiten auch schon. Das finde ich sehr gut, da mir die Parallelen in "Gameshow" zu stark waren. Mae befindet sich in Ring 5 im mittleren Bereich der Gesellschaft, genießt aber durch ihre Arbeit in Ring 2 einige Privilegien. Als sie im Rahmen des Partnerschaftsprogramms PEP auf Gleichaltrige aus Ring 1 und 2 trifft wird aber schnell deutlich, dass diese ein ganz anderes Leben führen. Beispielsweise greift die Autorin die Papierknappheit auf, sodass hier nur die oberen Ringe Zugang zu gedruckten Dokumenten und Papier zum Zeichnen haben, was ich sehr interessant fand.

Wir haben hier verschiedene spannende Aspekte, die sicherlich über die Folgebände hinweg noch mehr ausgeführt werden können, wie das Wahrheitsserum, das die Menschen einnehmen, die Zusammensetzung der Regierung und die Verteilung von Ressourcen auf Basis von Herkunft und Eheschließungen. Worüber wir noch relativ wenig erfahren, sind die Absichten, die hinter dem PEP stehen, da die jungen Erwachsenen sehr viele Tests über sich ergehen lassen müssen - wozu das alles? Die Autorin hat viele relevante Informationen geliefert, ohne bereits das Pulver für die Folgebände zu verschießen. Die Reihe hat so viel Potenzial, ich würde am liebsten direkt weiterlesen.


Schreibstil & Handlung: Das Erzähltempo ist wie auch schon in "Gameshow" sehr dynamisch, fesselnd und actiongeladen. Ich war direkt ab der ersten Seite drin im Thema und habe das Buch innerhalb weniger Tage verschlungen. Franzi Kopka hat einen sehr einnehmen Schreibstil, der locker und gleichzeitig packend ist. Da es sich bei der Trilogie um Jugendbücher handelt (aber nicht nur, für mich klassische All-Ager), werden Leser*innen verschiedener Zielgruppen sicherlich gut von der zeit- und alterslosen Geschichte unterhalten.
Die Handlung war dadurch durchweg spannend und es gab gut dosierte Wendungen und Plottwists, ohne dass es zu viel oder zu abgedreht wurde. Die Autorin legt manchmal einige Brotkrumen aus, die sich später als Hinweis auf eine sich anbahnende Überraschung entpuppen - so macht das Miträtseln nochmal mehr Spaß. Alles in allem tadellose Unterhaltung zum Mitfiebern und alles um sich herum vergessen.


Charaktere: Die Figuren haben mir nochmal deutlich besser gefallen als in "Gameshow", da sie für mich ausgereifter und nahbarer waren. Mae war eine sehr spannende Protagonistin. Beispielsweise durch ihr besonderes Aussehen (ihre natürlich roten Haare und Sommersprossen, die sie im Gegensatz zu den Gleichaltrigen aus den höheren Ringen nicht ästhetisch hat angleichen lassen) ist sie schon aus der Masse herausgestochen. Zudem betrachtete sie sich als "kaputt", da sie anders als die meisten anderen weiterhin negative Emotionen sehr stark wahrnahm und Panikattacken durch Beruhigungsmittel zu unterdrücken versuchte. Ansonsten fand ich es gut, dass sie zu Anfang das System nicht hinterfragt hat. Sie war keine perfekte Protagonistin, die superclever und mutig auf eigene Faust das System verändern wollte, sondern ist relativ unbedarft und im richtigen Maße naiv an die Sache herangegangen.
Einige der Nebenfiguren habe ich auch ins Herz geschlossen, allen voran Maes Freundin Therese, die sie im Camp kennenlernt, Jamar oder auch Maes kleine Schwester Cara. Love Interest Grayson kann ich nach Band Eins noch nicht vollkommen einordnen, aber er hat defintiv Potenzial für einen richtig guten Bookboyfriend. Ich freue mich darauf, die Entwicklung der Figuren und ihre Facetten über zwei weitere Bände verfolgen zu können.


Ende: Was für ein Showdown! Es ist einfach nur fies von der Autorin, uns mit so einem grandiosen, aber offenen Ende zurückzulassen ohne jede Info, wann Band 2 erscheinen wird. Ich war vollkommen gefesselt und mit ein paar Tagen Abstand kann ich sagen, dass mich die Geschichte überhaupt nicht loslässt und ich am liebsten direkt wieder nach Sestiby zurückkehren würde.


Der Auftakt der "Honesty"-Trilogie ist eine superspannende Dystopie, die mich wirklich von den Socken gehauen hat. Ich finde das gesellschaftliche System, das die Autorin hier gebaut hat, ebenso wie das Partnerschaftsprogramm extrem interessante Erzählelemente, die noch viel Potenzial für die Folgebände bereithalten. Ich freue mich jetzt schon sehr, in der Reihe weiterzulesen, und kann eine uneingeschränkte Empfehlung an alle Dystopie-Fans aussprechen!


Alles Liebe




Vielen herzlichen Dank an den Fischer Verlag für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars!