Donnerstag, 25. August 2016

[Rezension] George

Autor: Alex Gino
Verlag: Fischer
Gebundene Ausgabe
Seitenzahl: 208 Seiten
Teil einer Reihe? Ein Einzelband.
Genre: Kinderbuch/Roman
Empfohlenes Alter: ab 10 Jahren
Thema: TransgenderPreis: 14,99€ (D)/ Kindle 12,99€ (D)                                    
Kaufen? 





Sei, wer du bist!
George ist zehn Jahre alt, geht in die vierte Klasse, liebt die Farbe Rosa und liest heimlich Mädchenzeitschriften, die sie vor ihrer Mutter und ihrem großen Bruder versteckt. Jeder denkt, dass George ein Junge ist. Fast verzweifelt sie daran. Denn sie ist ein Mädchen! Bisher hat sie sich noch nicht getraut, mit jemandem darüber zu sprechen. Noch nicht einmal ihre beste Freundin Kelly weiß davon. Aber dann wird in der Schule ein Theaterstück aufgeführt. Und George will die weibliche Hauptrolle spielen, um allen zu zeigen, wer sie ist. Als George und Kelly zusammen für die Aufführung proben, erzählt George Kelly ihr größtes Geheimnis. Kelly macht George Mut, zu sich selbst zu stehen.
›George‹ erzählt einfühlsam und unprätentiös vom Anderssein und ermutigt, den eigenen Weg zu gehen. Der erste Kinderroman zum Thema Transgender, der auch ältere Leser fesseln wird und der die Botschaft vermittelt: Sei, wer du bist!
(Quelle: Amazon.de/ Juli 2016)


Schlicht und doch so wirkungsvoll. Hier bin ich sehr froh, dass das Originalcover übernommen wurde. Der weise Hintergrund mit den bunten Buchstaben wirkt für mich sehr symbolträchtig. Unser George ist eigentlich bunt und voller Leben, doch durch die Schwarz- weiß Gesellschaft, in der er lebt, kann er sich nicht entfalten und läuft auf Sparflamme. So habe ich diese Coveridee interpretiert. Abseits von meinen wüsten Deutungen finde ich die Aufmachung aber ohnehin sehr gelungen und wirkungsvoll. Lediglich der Preis für ein 200 Seiten-Buch ist hierbei meiner Meinung nach zu hoch angesetzt. 


Ich war mehr als gespannt, wie dieses Thema hier umgesetzt würde. Ich hoffte trotz des ernsten Themas auf ein bisschen Lebensfreude, Humor und einen super Schreibstil, der Mut machen könnte. Leider wurde ich im Bereich Stil etwas enttäuscht. Gerade zu Anfang fand ich den Schreibstil sehr fad und einfach rundum deprimierend. Ich kam zwar recht gut in die Geschichte hinein, aber in Sachen Spannung bzw. den Leser bei Laune zu halten ließ der Schreibstil etwas zu wünschen übrig. Trotz des tollen Themas, was ich sehr wichtig finde, hätte man hier sicher mehr rausholen können. Gute Ansätze sind definitiv vorhanden. So fand ich es eine klasse Idee, George als "sie" agieren zu lassen, dass das nun mal sein Gefühl ist, mit dem er durchs Leben schreitet.
Bis die Geschichte mehr Fahrt aufnahm, legte ich das Buch mehrmals aus Desinteresse bei Seite, was ich bei einem 200 Seiten Buch ziemlich schade finde. Aber vielleicht war es auch einfach nicht mein Stil und andere können mehr mit dem Schwermut jeder Zeile anfangen.


Heimlich liest George Mädchenzeitschriften auf der Toilette und keiner darf es erfahren. George fühlt sich im falschen Körper geboren und trotz dessen, dass er rein gar nichts dafür kann und am liebsten endlich die Last des Geheimnisses teilen möchte, weiß niemand von seinen Gedanken. Doch endlich fasst George Mut und vertraut sich seiner besten Freundin Kelly an...


Allein wegen der Idee musste ich dieses Buch lesen (und natürlich, weil John Green es empfohlen hat :-)). Das Thema von Transgendern im Kindesalter habe ich bisher noch nie in einem Buch gefunden, schon gar nicht in einem Kinderbuch, das ab 10 Jahren empfohlen wird. Ich finde es wichtig, dass solche, häufig noch als Tabu- Themen behandelten, Geschichten zur Sprache und zu Papier kommen, damit es mehr zur Normalität wird.
Von der Umsetzung bin ich nicht 100%tig begeistert, obwohl es sehr tolle Passagen, weise Worte und schöne, wie traurige Momente gibt. Trotz des trockenen Stils habe ich George schon flott ins Herz geschlossen und sehr mit ihm mitgefühlt. Er möchte durch eine weibliche Theaterrolle endlich allen zeigen, was und wer wirklich in ihm steckt. Unheimlich rührend finde ich außerdem die Beziehung zu seiner besten Freundin Kelly und auch andere Charaktere, wie Kellys Vater, sind sehr liebenswert. Bei diesem Thema ist natürlich vorprogrammiert, dass man einige Figuren gar nicht ma (bei mir war das absolut der Fall bei Georges Lehrerin).
Die Handlung ist sehr plätschernd, was auch in Ordnung ist, denn wir wollen schließlich Einblicke in Georges Alltag bekommen und der ist nun mal selten spektakulär. Aber spätestens, wenn er Kelly schildert, was ihn bedrückt, nimmt die Geschichte Spannung auf. Was ich eher etwas fraglich finde ist, ob 10 Jährigen Kindern dieses Buch helfen würde. Schon allein der Schreibstil ist nicht besonders kindgerecht und wird sicher schnell langweilig. Sicherlich können einige Kinder sich mit den gleichen Gefühlen und Gedanken, wie George sie hat, identifizieren und in dieser Hinsicht könnte es auch Mut machen und Outing fördern, doch ich bin bei der Altersangabe nach wie vor eher skeptisch.

Insgesamt finde ich dieses Buch trotz aller Kritik lesenswert für Menschen, die sich an das Thema heranwagen wollen, denen vielleicht das Verständnis fehlt oder die mehr darüber erfahren wollen durch eine sehr persönlichen Einsicht in die Innenwelt eines betroffenen Kindes. Denn die Schilderungen von Gefühlen und Gedanken sind das, was der Autor sehr gut gemacht hat und was dieses Buch lesenswert macht.


Schreibstil hin oder her- dieses Buch eröffnet neue Blickwinkel und lässt uns teilhaben an der Geschichte eines ganz tollen Kindes, das einfach nur verstanden werden will. Ich konnte mit George sehr gut mitfühlen und gerade zum Ende hin wurde ich gut unterhalten. Wer das Thema interessant findet oder vielleicht auch gerade die, die noch gar nichts darüber wissen oder denen die Thematik befremdlich ist, können ja mal einen Blick riskieren. Ich vergebe gute 3 Drachen.




[Blogtour] Evolution mit Thomas Thiemeyer


Hallo ihr Lieben,

herzlich willkommen zum Blogtour Start im Buchlabyrinth!
Schön, dass ihr den Weg hierher gefunden habt. Heute soll es in erster Linie um unsere Protagonisten gehen, die ich kurz charakterisieren und meinen ersten Eindruck schildern werde.


Der neue Trilogieauftakt von Thomas Thiemeyer dreht sich um ein unheimlich spannendes Thema. Ein USA- Austausch wird zum bedrohlichen Alptraum, als die Welt sich drastisch verändert. Meiner Meinung nach sollte man vor dem Lesen des Buches gar nicht viel mehr wissen, denn dann ist es umso spannender, die neue Welt in diesem Buch zu entdecken. Macht euch bereit auf eine ganz besondere Evolution a la Thomas Thiemeyer!


Trotz einiger typischer Charakterzüge, die viele Figuren aus Jugendbüchern in sich tragen, schafft es der Autor hier, durch kleine Akzente die Charaktere realistisch und individuell zu zeichnen.



Zuerst bekommen wir es in diesem Buch mit dem etwas verpeilten, aber unheimlich liebenswerten Jem zu tun. Er nimmt an dem Austausch teil, um sich Amerika anzuschauen und seinen Vater nach Jahren wieder zu sehen. Ich mochte seine Art sehr gerne, da unser Protagonist hier eine sehr feine Beobachtungsgabe besitzt, eine erstaunliche Menschenkenntnis und ich mich super mit ihm verstehen würde -er wurde im Laufe der Geschichte mein absoluter Lieblingscharakter.


Jem hat bereits vor Abflug ein Mädchen kennen gelernt, welches ebenfalls am Austausch teilnimmt. Lucie hält sich am Anfang der Erzählung noch relativ bedeckt, was ihre Person betrifft. Aber umso interessanter wurde das leicht verrückte Mädchen und umso mehr wollte man über sie und ihre Persönlichkeit erfahren- ich sage nur "Blau, Grün, Gelb". Auch unsere weibliche Protagonistin habe ich schnell sehr lieb gewonnen.

Dieser erste Band konnte mich von den Figuren her absolut fesseln und trotz einiger Klischees haben die Figuren sehr durchdachte und vielfältige Facetten, wodurch man erst einige Zeit mit ihnen "verbringen" muss, bis man sie besser kennenlernt und sie einschätzen kann. Das Schöne an Trilogien ist ja, dass es mit den Figuren immer ein Wiedersehen gibt und wir in den Folgebänden noch viel mehr über unsere Charaktere erfahren werden. Darauf freue ich mich sehr! 

Ich hoffe, mir ist ein guter Start in diese Blogtour gelungen.
Hier seht ihr nun, wo und wann es in der nächsten Zeit weitergeht:



















Alles Liebe, 

Freitag, 12. August 2016

[Rezension] Dich immer wiedersehen

Autorin: Jennifer E. Smith
Verlag: Carlsen
Gebundene Ausgabe
Seitenzahl: 352 Seiten
Teil einer Reihe? Ein Einzelband.
Genre: Jugendbuch 
Empfohlenes Alter: ab 12 Jahren
Themen: New York City, Liebe, Schicksal

Preis: 17,99€ (D) Kaufen? 


Stromausfall in New York: Lucy und Owen lernen sich irgendwo zwischen dem 10. und 11. Stock kennen, steckengeblieben im Fahrstuhl eines Hochhauses. Doch auch in völliger Dunkelheit sind sich die beiden gleich sehr sympathisch. Als sie nach ihrer Rettung durch die dunklen Straßen von Manhattan schlendern, steht für beide fest, dass sie ziemlich gut zusammenpassen. Doch mit dem Strom kehrt leider auch die Realität zurück: Lucy wird mit ihren Eltern in wenigen Tagen nach Europa ziehen. Wann und wo wird sie Owen wiedersehen? Ein wunderbarer neuer Schmöker von Jennifer Smith (“Geschmack von Glück”) – hochromantisch, unterhaltsam und trotzdem mit Tiefgang (Quelle: Amazon.de/ August 2016).


Ich bin schon immer ein Fan von den fleißigen Gestaltern des Carlsen- Verlags, doch gerade bei Jennifer E. Smiths Büchern setzen sie immer noch einen drauf. Ich liebe die Aufmachung dieses neuen Buches von ihr, da es super kreativ ist, sich herrlich anfühlt (es ist angeraut) und neben den süßen Paar vor New York City auch noch optisch einem Brief ähnelt. Wegen der optimalen Passung zum Inhalt und der ohnehin wunderschönen und einfallsreichen Gestaltung war ich diesem Schmuckstück sofort verfallen.


Dieses Buch wäre früher oder später ohnehin bei mir eingezogen, da ich ein absoluter Jennifer E. Smith Fan bin. Ich liebe den luftig lockeren Schreibstil der Autorin, der trotz seiner Leichtigkeit auch immer ernstere Themen mit einflechtet und so süße Liebesgeschichte mit Tiefgang verknüpft. Das schaffen nur wenige Autoren in dieser Qualität und auch in diesem Buch gelingt der Autorin diese Brücke wieder sehr gut. Dazu einen Spannungsbogen jede Menge Einblicke in New York City und ich war wieder mittendrin in der Story.


Obwohl ich die Bücher der Autorin ja ohnehin alle verschlinge, auch ohne die Klappentexte zu lesen, sind die Ideen der Autorin immer weitaus mehr als eine 0815- Lovestory im Jugendgenre. Die Autorin hat immer einige besondere Elemente in ihren Büchern eingebracht, wodurch auch die ganze Geschichte sich von der Masse abhebt. Ich war der Geschichte quasi schon verfallen, als ich von New York City las, denn diese Stadt zieht mich schon seit langem magisch an. Doch auch von einem Stromausfall habe ich noch nie gelesen und so beginnt diese Geschichte gleich mit einer sehr ungewöhnlichen Begegnung, die sofort Spannung aufkommen lässt. Insgesamt kann ich auch hier wieder nur schwärmen. Mit ihrer wunderbaren Erzählweise bringt uns Jennifer E. Smith die Stadt und die Charaktere nahe und hat eine ganz spezielle Art sehr bildliche Beschreibungen zu geben.

Ich habe mich wirklich wieder sehr schnell in der Geschichte wohlgefühlt. Das schafft die Autorin hier besonders durch ihre ganz speziellen Charaktere, die man kein zweites Mal in einem Buch so vorfindet. Man bekommt die Geschichte sowohl aus der Sicht von Lucy, als auch von Owen geschildert, wodurch man beide sehr gut kennen lernt und sehr schnell ins Herz schließt. Beide haben in ihren jungen Jahren schon einen interessanten und holprigen Lebensweg bestritten und sind ziemlich reif für ihr Alter. Besonders gut haben mir ihre individuellen Züge und Eigenarten gefallen, wie z.B. die Tatsache, dass Owen die neumodischen Medien gekonnt ignoriert und lieber weiterhin über Briefe und Postkarten kommuniziert. So lebt diese Geschichte von ihren besonderen Charakteren, die mir immer noch sehr präsent im Kopf geblieben sind.

Der Verlauf der Geschichte gefällt mir sehr gut und auch, wenn die Erzählung eher seicht von statten geht, wird einem in dieser Geschichte nicht langweilig, da eine ganz besondere Atmosphäre erschaffen wird und man sich komplett in diese Geschichte fallen lassen kann. Vom Ende verrate ich natürlich nicht zu viel, aber für mich hat es sehr gut zu den Figuren und der Geschichte gepasst.


Wiedermal habe ich einen Jennifer E. Smith verschlungen und bin wieder sehr begeistert. Obwohl die Geschichte sehr sanft ist und nicht voller Action steckt wird es hier nicht langweilig und die Handlung überzeugt durch die besonderen Figuren und das Setting. Ich werde weiterhin blind alle Jugendbücher dieser Autorin lesen, da sie einfach authentisch und wunderschön geschrieben sind!