Dienstag, 6. April 2021

Mein Lesemonat März '21

Hallo ihr Lieben,

etwas verspätet kommt heute mein Rückblick zum Lesemonat März. Ich habe am Osterwochenende so viel gelesen, dass ich zwar bereits im April drei Bücher beendet, aber für den März nicht mal den Rückblick geschrieben habe. Das wird nun geändert, viel Spaß!

Rückblickend würde ich sagen, der März war eher durchwachsen. Ich habe insgesamt sechs Bücher beendet. Davon waren zwei richtige Highlights und der Rest eher im Mittelfeld. Einen richtigen Flop gab es dafür aber nicht.

Den Anfang hat "Mit anderen Worten: Ich" von Tamara Ireland Stone gemacht. Ich fand zwar die Idee richtig toll, dass Zwangserkrankungen im Highschool Alter behandelt werden, aber die Umsetzung war so lala. Bis auf das Element mit den Zwängen und dem Schreibclub war die Geschichte recht Basic und es ging um Streitereien und eine 0815 Liebesgeschichte. Ein ganz spannender Twist am Ende hat es nochmal etwas herumgerissen, aber insgesamt konnte ich der Geschichte nicht mehr als 3/5 Punkte geben. Das spiegelt meine Gefühle zu dem Buch sehr gut wieder, es ist weder richtig gut, noch schlecht, sondern Mittelmaß.


Daraufhin folgte ein richtiges Highlight. Am ersten März erschien "Finstere Wasser" von Sarah Koch, der erste Fantasyroman aus ihrer Feder, in dem es um Kelpies ging. Ich habe das Buch innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Besonders gerne mochte ich die Beschreibungen von Schottland und dass der Fokus des Buches nicht ausschließlich auf der Liebesgeschichte lag, sondern es auch drum herum viele spannende Themen gab. Ich kann das Buch definitiv empfehlen, wenn ihr Kelpies spannend findet und wegen Rye gerne mal dahinschmelzen wollt. Bitte, Sarah, bring schnell das nächste Buch raus!


Wieder einmal in Thrillerlaune habe ich "Searching Lucy" von Christina Stein beendet. Es handelt sich um einen Jugendthriller, in dem ein Mädchen ihre verschwundene Zwillingsschwester Lucy und den Vater sucht. Sie kommt sehr interessanten Geheimnissen auf die Schliche. Ich mochte das Buch gerne, weil es sehr spannend und wendungsreich war. Von der Idee her nicht unbedingt etwas Neues, aber durchaus lesenswert. Die Rezension gibt es *hier*.



Mein zweites Lesehighlight habe ich im Rahmen einer Lovelybooks Leserunde gewonnen. "Ghostwalker" von Rainer Wekwerth konnte mich mal wieder total umhauen! Von Rainer Wekwerth bin ich es nicht anders gewohnt, der Autor schafft es immer wieder, mich in dystopische Zukunftsszenarien zu entführen und ganz viel Action und Spannung zu erschaffen. Dieser neue Roman über eine Zukunft voller geheimer Daten, virtueller Welten und Korruption dürfte allen Fans von spannenden VR Geschichten gefallen. *Meine Rezension findet ihr hier.*


Ein Buch, auf das ich schon länger hingefiebert habe, war "Mit dir falle ich" von YouTuberin Inka Lindberg. Dieser New Adult Roman war für mich ein Wechselbad der Gefühle. Erst war ich enttäuscht, dass es so typisch New Adult ist, dann war ich positiv überrascht von den feministischen Einflüssen und zum Schluss konnte ich auch noch ganz schön überrascht werden. Alles in allem ist das Buch für ein Debüt wirklich gelungen und ich kann das Buch allen Leser*innen empfehlen, die gerne mal ein bisschen andere New Adult lesen wollen. *Genaueres findet ihr hier in meiner Rezension.*


Zu guter Letzt habe ich noch das neue Buch von "Mein Freund Pax" Autorin Sara Pennypacker gelesen, ebenfalls im Rahmen einer Leserunde. "Hier im echten Leben" war ein sehr ruhiges, melancholisches Buch, das ich eher Erwachsenen statt Kindern empfehlen würde. Es hatte eine sehr schöne Message, einen besonderen Schreibstil und sehr idyllische Szenen. Besonders spannend war es nicht, aber wer Lust auf ein entspanntes Buch ohne viel Drama und Action hat, der könnte hier auf jeden Fall fündig werden. *Auch dazu gibt es eine Rezension.*


Das war mein Lesemonat März. Ich bin mit sechs Büchern in Anbetracht meines hohen Arbeitspensums sehr zufrieden und habe wegen des Osterwochenendes für den April ein gutes Gefühl, dass ich viele spannende Bücher lesen werde.


https://www.instagram.com/p/CNSNXmsJv1M/



Obwohl die Nachricht erst am 04.04. veröffentlicht wurde, möchte ich die Information mit euch teilen (hat doch einen Vorteil, den Monatsrückblick verspätet zu schreiben ;-)).
Es wird am 29.09.2021 ein neues Jugendbuch von Kerstin Gier erscheinen, wie sie am Wochenende auf ihrer Instagram Seite mitteilte. "Vergiss mein nicht - Was man bei Licht nicht sehen kann" ist der Auftakt einer neuen Fantasy Trilogie und hat dieses wunderschöne Cover!
(Quelle: https://www.instagram.com/p/CNSNXmsJv1M/)


Schreibt mir unbedingt euer Highlight aus dem März in die Kommentare!

Alles Liebe












[Rezension] Mein Leben als lexikalische Lücke von Kyra Groh

Hallo ihr Lieben,

das lange Osterwochenende ist um und ich habe so einige Zeit mit Lesen verbracht. Deshalb habe ich heute auch schon wieder eine Rezension für euch"Mein Leben als lexikalische Lücke" ist wirklich ein ganz besonderes Jugendbuch, das auf verschiedenen Ebenen ganz wichtig ist! Ich wünsche euch ganz viel Spaß bei meiner Rezension.

Autorin: Kyra Groh
Erscheinungsdatum: 18.03.2021
Originalsprache: Deutsch
Genre: Jugendbuch/Bücher für junge Erwachsene
Empfehlung: 14-16 Jahre
448 Seiten
Gebundene Ausgabe 18,00€ (D), Kindle Edition 13,99€ (D)
Kaufen? Beim Verlag oder in deinem regionalen Buchhandel




*Das Buch hat mir der Arctis Verlag freundlicherweise als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt natürlich vollkommen ehrlich.*


Benni macht ein Praktikum im Frankfurter Krankenhaus und hat Angst, dass er es nie schaffen wird: Blut abzunehmen, vom nerdigen Benni zum coolen Ben zu werden, den allgegenwärtigen Kruzifixen in der beengten Wohnung seiner Mutter zu entkommen. Eingeengt fühlt sich auch Jule, und zwar von dem Weltbild ihrer Eltern. Denn die haben absolut kein Verständnis für vegane Ernährung, Freitagsdemonstrationen oder Anti-Rassismus-Plakate. Und sie würden schon gar nicht verstehen, dass ihre Tochter eigene Ideale vertritt und Teil einer Veränderung sein möchte, die die Welt so dringend braucht. Als die beiden innerlich zerrissenen Teenager aufeinandertreffen, wird ihr Leben bunter, komplizierter, aber auch so viel erträglicher! 



Ich liebe, liebe, liebe dieses Schmuckstück! Erstens, weil es ein Hardcover ohne Schutzumschlag ist und dadurch total hochwertig und besonders aussieht. Zweitens, weil die rote Schrift veredelt ist, im Licht glänzt und sich besonders toll anfühlt. Drittens, weil das knallige Gelb ein richtiger Hingucker im Regal ist und viertens, weil das Cover die Geschichte nicht treffender hätte abbilden können. Ich mag die Zeichnungen der Figuren, den Lexikoneintrag auf der Rückseite- einfach alles! Allein schon der Optik wegen brauche ich unbedingt auch das andere Buch der Autorin...


Jule hat von ihrer Familie die Schnauze voll! Am Frühstückstisch wird über "Ausländer" und Veganer hergezogen, die Klimastreiks sind nur ein vorgeschobener Grund, die Schule zu schwänzen, und Bruder Dustin hängt mit zwielichtigen Freunden ab. Nur in Gegenwart ihrer Freundin Kris und der Clique kann sie sie selbst sein und für die Werte einstehen, die ihr wichtig sind.

Benni macht ein Praktikum im Frankfurter Krankenhaus, weil er seine Mutter nicht allein lassen möchte und deshalb sein Medizinstudium noch nicht aufgenommen hat. Doch mit ihrem starken Hang zur Religion und dem intensiven Glauben kann er sich nicht identifizieren.
Als Jule und Benni aufeinandertreffen, funkt es sofort. Obwohl die beiden aus ganz unterschiedlichen Kreisen kommen, fühlen sich beide wie eine lexikalische Lücke - es gibt in ihrem Umfeld keinen Platz für sie. Mit dem jeweils anderen die Weltsicht zu teilen, gibt ihnen Kraft, für das einzustehen, was ihnen im Leben wichtig ist.


Ich habe bisher noch nie ein derartig politisches, modernes und kluges Jugendbuch gelesen. Durch die Liebe der beiden Protagonisten ist es zwar in Zügen auch ein Young Adult Roman, aber diese Bezeichnung wird der Fülle an Ebenen, die dieses Buch anspricht, nicht gerecht.
Bereits an der Kurzbeschreibung bekommt man eine Idee davon, welche Themen alle angerissen werden: Flüchtlingskrise, Pflegenotstand, Rechtsextremismus, Generationskonflikte, Klimastreik, Veganismus...die Liste ist endlos. Ich finde es von der Autorin super mutig, sich diesen Themen anzunehmen, die bekanntermaßen polarisieren und mit Sicherheit auch auf Gegenwind stoßen. Doch genau dadurch, dass sie durch dieses wertvolle Buch den Mund aufmacht, bekommen Jugendliche den Mut, es ihr gleichzutun.

Obwohl diese Themen präsent sind, erhebt das Buch eher subtil den Zeigefinger. Aus der Sicht von Jule erfahren wir, wie es sich anfühlen kann, wenn die eigene Familie ganz andere Werte lebt und man erst mal seinen Platz in dieser Konstellation wiederfinden muss. Bei Ben geht es auch um Abhängigkeit zu einer Mutter, die er sehr liebt, die aber schlecht loslassen kann und was für ein schlechtes Gewissen mit dieser Abnabelung einhergehen kann. Alles wichtige Themen, die mit Sicherheit den Nerv der Zeit treffen und die Bedenken und Sorgen von Jugendlichen am Ende ihrer Schulzeit oder direkt nach der Schule abbilden. Neben diesen sehr schweren Weltthemen geht es aber auch um die kleinen Alltagsschwierigkeiten: Die Beziehung zur besten Freundin, unerfüllte Verliebtheit, Unsicherheiten beim Kennenlernen und Ängste beim Berufsstart.

Diese Beschreibungen klingen jetzt recht ernst und schwer, aber das ganze wird aufgelockert durch zwei grundsympathische Protagonisten. Ich mochte Jule und Benni sehr gerne. Allein sind sie so herrlich menschlich und authentisch, plagen sich mit den typischen Problemen in ihrem Alltag herum und haben ihre ganz persönliche Träume, Unsicherheiten und Wünsche. Als die beiden aufeinandertreffen und sich kennenlernen ergibt sich eine richtig tolle "Erste Liebe" Dynamik, aber nicht mit diesen ganzen unrealistischen, perfekten Momenten, sondern ganz vielen Selbstzweifeln, Fails und Peinlichkeiten - so, wie das Leben sie schreibt. Auch die anderen Figuren haben hier Ecken und Kanten. Sei es der bollerige, cholerische Vater von Jule, Jules beste Freundin Kris oder Krankenpfleger Benil, irgendwie hat jeder etwas besonderes.

Der Schreibstil ist sehr humorvoll, was die Thematik effektiv auflockert. Ich glaube, das ist hier besonders wichtig, um die Zielgruppe des Buches zu erreichen und die Liebesgeschichte mit den anderen Themen zu verbinden. Der Einstieg in die Geschichte hat mir persönlich etwas zu lange gedauert, da sich die Figuren erst nach 100 Seiten so richtig kennenlernen, aber dafür ist die Spannungskurve ab dann rasant gestiegen und spätestens nach der Hälfte konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. 

Besonders positiv möchte ich auch noch das Thema Sprache hervorheben. Allein durch den Titel, den ich als bekennender Lesenerd schon als etwas nerdy einstufen würde, habe ich mich total angesprochen gefühlt. Das Buch ist etwas für Deutsch-Liebhaber, Sprachfanatiker, Leute, die die Grammatikfehler anderer Leute gerne korrigieren (würden, wenn es nicht so unhöflich wäre ;-)). Am Anfang jedes Kapitels gibt es Lexikoneinträge besonderer Wörter, es gibt Anspielungen auf Germanistik und Lektüren aus dem Deutschunterricht - einfach herrlich! Diese Komponente hat das Buch für mich noch mal besonderer gemacht und mir viel Freude beim Lesen bereitet.


Dies war mein erstes Buch von Kyra Groh und nach dem Lesen MUSSTE ihr zweites Buch auf meine Wunschliste wandern. Die Autorin ist so mutig, derartig wichtige Themen in ein Buch zu packen und auch noch so humorvoll und jugendgerecht aufzubereiten. Wer Lust auf eine sehr schöne, authentische Liebesgeschichte hat, gepaart mit vielen politischen und modernen Einflüsse, der sollte sich dieses Buch am besten sofort besorgen.





Alles Liebe


Freitag, 2. April 2021

[Rezension] All This Time – Lieben heißt unendlich sein von Mikki Daughtry & Rachael Lippincott

Hallo ihr Lieben,

das Osterwochenende hat begonnen und mit ihm viel intensive Lesezeit. Ich habe mich im Rahmen einer weiteren Lovelybooks Leserunde "All this time" gewidmet, das von den beiden Autorinnen von "Drei Schritte zu dir" geschrieben wurde. Wie es mir gefallen hat, möchte ich euch jetzt gerne erzählen - viel Spaß!

Autorinnen: Mikki Daughtry & Rachael Lippincott
Erscheinungsdatum: 18.03.2021
Originalsprache: Englisch
Originaltitel: All this time
Genre: Jugendbuch/ Young Adult
Empfehlung ab 14 Jahren
368 Seiten
Gebundene Ausgabe 18,95€ (D), Kindle Edition 14,99€ (D)
Kaufen? Beim Verlag oder in deinem regionalen Buchhandel


*Das Buch hat mir der dtv Verlag freundlicherweise als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt natürlich vollkommen ehrlich.*


Manche Wunden kann nur Liebe heilen…
Kyle und Kimberly sind seit der 9. Klasse das perfekte Paar. Doch am Abend der Abschlussfeier bricht Kyles Welt brutal in sich zusammen: Nachdem Kimberly ihm eröffnet hat, dass sie die Beziehung beenden will, haben sie auf dem Heimweg einen Autounfall. Kyle erwacht im Krankenhaus aus seiner Bewusstlosigkeit – aber Kim hat den Unfall nicht überlebt. Kyle versinkt in unendlicher Trauer und Schuldgefühlen … bis er Marley begegnet. Marley hat ebenfalls einen großen Verlust erlitten, für den sie sich verantwortlich macht. Sie verstehen einander und können den Schmerz des anderen lindern, während sie sich immer näherkommen. Doch Kyle muss befürchten, dass er diese zweite Chance auf Glück erneut verlieren könnte… (Quelle: dtv.de/April2021).


Ich finde das Cover ist ein wahrer Hingucker! Ich habe "Drei Schritte zu dir" bisher nicht gelesen, aber weiß, dass die Gestaltung sehr ähnlich ist und die beiden Bücher sehr gut harmonieren. Das tiefe Blau greift die gewisse Schwere der Geschichten auf und die umrankte Sanduhr bildet ein sehr schönes und passenden Symbol zu der Geschichte ab. Einige Elemente sind bei der Hardcover Ausgabe auf dem Schutzumschlag erhaben, sodass es auch eine wirklich schöne Haptik hat. Ich mag die Gestaltung unfassbar gern und liebäugele auch schon mit "Drei Schritte zu dir".


Als Kyle nach einer langjährigen Beziehung von seiner Freundin Kim abserviert wird, bricht für ihn eine Welt zusammen. Als die beiden für ein klärendes Gespräch ins Auto steigen, ereignet sich ein Unfall, bei dem Kim stirbt und Kyle, der Junge am Steuer, bis auf eine Hirnverletzung recht glimpflich davonkommt. Von da an plagen Kyle Schuldgefühle, auch, als er auf dem Friedhof neben Kims Grab Marley kennenlernt. Ein Mädchen, das ihn seinen Schmerz für eine Weile vergessen lässt. Doch kann Kyle so kurz nach Kims Tod bereits neue Gefühle zulassen?


Ich wusste nicht so recht, was mich bei diesem Buch erwartet. Ich habe den Film zu "Drei Schritte zu dir" gesehen und weiß, dass die Autorinnen sich recht ernsten und schwierigen Themen wie Krankheit annehmen. Deshalb war ich nicht überrascht, dass es auch hier um einen Unfall und Trauerbewältigung geht. Dennoch kann ich sagen, dass mich das Buch immer wieder sehr überrascht hat. Ich möchte nicht zu viel der Handlung vorwegnehmen, kann aber sagen, dass dieses Buch mehrere Irrungen und Wirrungen bereithält, die das Lesen nie langweilig machen und die Geschichte immer wieder in eine andere Richtung schubsen.

Die Figuren haben mir nach einer Warm-up Phase gut gefallen. Ich bin nicht direkt mit Kyle und Kimberley warm geworden, aber konnte mich nach 50/60 Seiten doch recht gut auf die Geschichte einlassen. Besonders Kyles sehr authentische Trauer hat es mir leicht gemacht, Sympathie zu ihm aufzubauen und seine Gefühle waren total greifbar für mich. Ihm wird von verschiedenen Menschen immer wieder vorgeworfen, egoistisch zu sein, was ich anfangs etwas nachvollziehen konnte, aber Kyle macht eine wirklich spannende Entwicklung in dieser Geschichte durch. Kimberley war mir leider weniger sympathisch. Sie hatte einige Züge, wie eine sehr impulsive, fast zickige Art, die ich nicht so gern mochte. Als Kyle Marley kennenlernt, habe ich direkt eine Verbindung zwischen den beiden Hauptfiguren gespürt und fand sie richtig toll! So ein ruhiges, kreatives, kluges und hübsches Mädchen sieht man nicht alle Tage. Kein Wunder, dass Kyle so verzuckert von ihr war. Manche Nebenfiguren sind ebenfalls sehr greifbar gewesen, wie z.B. Kyles bester Freund Sam oder auch seine Mutter. Insgesamt bleibt keine Figur blass und das macht das Buch zu einem durchweg plastischen Lesegenuss.

Was ich unbedingt noch hervorheben möchte, ist der besondere Schreibstil der Autorinnen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie aus zwei Autorenfedern so eine harmonische Geschichte entstehen kann. Ich habe selten so einen emotionalen, tiefgründigen Schreibstil gelesen, der so berührend und gleichzeitig schockierend real sein kann. Ich habe zwar nicht direkt geweint, aber war mehrmals sehr ergriffen und habe von vorn bis hinten mit den Figuren mitgefiebert.

Der Plot ist einfach großartig! Ich bin ja bekanntermaßen ein großer Fan von vielen überraschenden Wendungen und schockierenden Twists, und diese hat das Buch auf jeden Fall reichlich zu bieten.

Wo wir auch schon bei meinem Kritikpunkt sind. Manche Wendungen waren einfach nur krass, aber auch ziemlich unrealistisch und etwas überzogen. Manche Szenen haben bei mir einige Fragezeichen hinterlassen, die in der Leserunde heftig diskutiert wurden. Ich kann aber über einiges hinwegsehen, einfach, weil dadurch immens viel Spannung erzeugt wurde!
Mit dem Ende war ich zufrieden, es hat irgendwie alles zusammen gepasst. Die letzte Schleife, die das Buch zieht, hätte ich persönlich nicht gebraucht, aber alles in allem habe ich das Buch atemlos, aber auch sehr happy zugeschlagen.


Dies war mein erstes Buch der Autorinnen Daughtry und Lippincott und bestimmt nicht mein letztes! Ich wurde nach kurzen Anfangsschwierigkeiten in die Geschichte gesogen und erst wieder beim Zuschlagen des Buches losgelassen. Ich habe das Buch beinahe in einem Rutsch durchgelesen und war die halbe Nacht auf, so spannend ist dieses Buch! Wer auf Liebesgeschichten und Trauerbewältigung mit super Plottwists steht, der sollte sich dieses Buch unbedingt anschauen!

Alles Liebe




Dienstag, 30. März 2021

[Rezension] Hier im echten Leben von Sara Pennypacker

Hallo ihr Lieben,

heute gibt es wieder mal eine neue Rezension von mir. Heute geht es um ein Buch, das als "Kinderbuch" deklariert ist. Nach dem Lesen muss ich das aber anzweifeln. Warum, das erfahrt ihr nun - viel Spaß!

Autorin: Sara Pennypacker
Erscheinungsdatum: 10.03.2021
Originalsprache: Englisch
Originaltitel: Here in the real world
Genre: Kinder-/Jugendbuch
Empfehlung ab 10 Jahren
304 Seiten
Gebundene Ausgabe 17,00€ (D), Kindle Edition 14,99€ (D)
Kaufen? Beim Verlag oder in deinem regionalen Buchhandel






*Das Buch hat mir der Fischer Verlag freundlicherweise als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt natürlich vollkommen ehrlich.*


Kann ein Träumer die Welt verändern?

Der einsame Junge Ware trifft Jolene, das Mädchen, das niemand haben will. Eine alte Kirchenruine wird ihnen beiden ein Zuhause. Als dieses bedroht wird, muss Ware sich entscheiden: Entweder er bleibt in seiner Traumwelt – oder er wag
t es gemeinsam mit Jolene für das einzustehen, woran er im Leben glaubt.



Ich finde das Cover sehr ansprechend. Bereits bei "Mein Freund Pax" haben mich die Naturtöne und Pflanzen sehr beruhigt. Diese naturbelassene Atmosphäre passt sehr gut zu dem plätschernden Stil der Autorin und den Schauplätzen ihrer Bücher. Ich hätte mir noch gewünscht, dass das Material des Schutzumschlags aus dem gleichen groben Naturpapier ist, wie bei "Mein Freund Pax", aber das ist wirklich nur eine Kleinigkeit.


Dieses Buch erzählt die Geschichte von dem 11-jährigen Ware, der den Sommer über ins Camp geschickt wird, nachdem seine Oma einen Hüftenbruch erlitten hat und er die Ferien bei ihr abbrechen musste. Doch Ware kann mit den vielen anderen Kindern nicht so recht was anfangen, stiehlt sich davon und entdeckt neben dem Sommercamp eine alte Kirchenruine. Außerdem entdeckt er dort Jolene, ein Mädchen, das neben der Kirche Papayas anpflanzt und sich in ihrer Gartenarbeit verkriecht. Als Ware beschließt, die Kirche in eine echte Ritterburg zu verwandeln, kommt er auch immer mehr mit Jolene in Kontakt und es entwickelt sich eine zarte Freundschaft. Doch das Grundstück, auf dem Kirche und Garten sind, soll versteigert werden. Können die Kinder das verhindern oder wird ihr Paradies zerstört werden?


Ich muss gestehen, dass ich vom Klappentext nicht sofort begeistert war. Es klingt etwas eintönig und nicht nach einer packenden, spannenden Idee, sondern tatsächlich eher einem Kinderbuch. Doch einerseits das schöne Cover und andererseits das Wissen, das Sara Pennypacker mit "Mein Freund Pax" bereits eine sehr herzerwärmende Geschichte geschrieben hat, haben mich überzeugt.
Im ersten Teil des Buches lernen wir Ware sehr gut kennen. Er ist ein besonderer Junge, da er gerne viel allein mit seinen Gedanken ist, sich in die Fantasie flüchtet und bei den Gleichaltrigen im Camp eher der Außenseiter ist. Das macht dem Kleinen wirklich zu schaffen, sodass er beschließt, den Sommer über "normaler" werden zu wollen. Allein diese Tatsache hat mich tief berührt und traurig gemacht, da es die Erziehung der Eltern doch etwas fraglich dastehen lässt. In Jolene findet Ware nicht unbedingt eine Gleichgesinnte, aber auch sie ist eher verschlossen und spricht häufig in Rätseln. Insgesamt wirkt sie für ihr Alter schon ziemlich verbittert und man wird als Leser*in schnell neugierig, weshalb Jolene so geworden ist.
Andere Figuren des Buches werden eher angerissen, der Fokus liegt sehr stark auf den beiden Kindern und ihrer Freundschaft. Allerdings muss unbedingt noch Onkel Cy erwähnt werden, der einfach ein ganz wunderbarerer Charakter ist und Ware ganz viel Hoffnung schenkt. Die Eltern lernt man ebenfalls etwas kennen, aber die beiden waren mir leider bis zum Ende wenig sympathisch, auch wenn ich ihre Beweggründe viel zu arbeiten nachvollziehen kann.
 
Das Buch ist insgesamt vom Aufbau her recht simpel. Es gibt wenige Schauplätze, hauptsächlich wechseln wir zwischen Wares Zuhause und dem Grundstück der Kirche. Auch die Handlung ist nicht außergewöhnlich komplex, im Grund begleiten wir Ware von dem Tag an, als er ins Sommercamp geschickt wird, bis zum Ende der Sommerferien. Es gibt zahlreiche Beschreibungen der Kirche und von Jolenes kleinem Garten, sodass sich beim Lesen bei mir die Idylle so richtig vor meinem inneren Auge gezeigt hat und ich mich beim Lesen immer sehr entspannt und geerdet gefühlt habe. Allerdings führt der zurückgenommene Plot dazu, dass insgesamt wenig Spannung aufkommt. Wir haben sehr viel Teil an Wares Gedankenwelt, belauschen seine Gespräche mit Jolene und besuchen seine Oma - alles keine wahnsinnig spannenden Szenen. Aus diesem Grund bin ich mir einfach nicht sicher, ob das Buch tatsächlich etwas für Kinder ist.
Ich glaube, die Message, die durch Wares Entwicklung hin zu einem mutigeren uns selbstbewussteren Jungen geschieht, kann vielen Kindern ebenfalls Mut machen, aber viele Kinder langeweilen sich vermutlich schon recht früh. Es gibt auch keine überraschenden Wendungen oder ähnliches, sodass man wirklich ein Fan von ruhigen, plätschernden Geschichten sein sollte.

Ein weiterer Grund, warum ich das Buch eher nicht in der Zielgruppe der 10+ Jährigen verorten würde, ich der Schreibstil. Pennypacker hat einen wunderbar bildlichen und besonderen Schreibstil, der aber schon etwas anspruchsvoller ist und viele Metaphern nutzt. Zwischen den Zeilen steht hier beinahe mehr geschrieben als in den Dialogen und Beschreibungen, sodass ich schwer einschätzen kann, ob Kinder die Geschichte überhaupt vollends verstehen. 

Ich habe das Buch am Ende mit einem seligen Lächeln zugeklappt, weil ich die Geschichte wirklich berührend fand. Es war für mich ein richtiges Wohlfühlbuch nach einem stressigen Tag. Trotz dessen haben sich zwischendrin auch immer wieder Abschnitte ergeben, die weniger interessant und etwas langatmig waren, sodass ich die Spannungskurve als etwas schwankend empfunden habe.

Fans von "Mein Freund Pax" sollten sich dieses Buch unbedingt anschauen. Sara Pennypacker hat mit "Hier im echten Leben" wieder ein sehr ruhiges, aber starkes Buch geschaffen, in denen ganz viele wichtige Botschaften zwischen den Zeilen mitschwingen. Für Kinder würde ich das Buch allerdings nur bedingt empfehlen, weil das Buch insgesamt nicht besonders spannend und die Sprache durch viele Metaphern eher anspruchsvoller ist. Erwachsene, die gerne entspannte Wohlfühlbücher mit wichtiger Message lesen, können auf jeden Fall Gefallen daran finden.


Alles Liebe

Vielen herzlichen Dank an Fischer für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!