Freitag, 22. Mai 2015

[Rezension] Tiefe Wellen von Kat Rosenfield

Autorin: Kat Rosenfield
Broschierte Ausgabe
Verlag:  FJB 
Originaltitel: Inland
Seitenzahl: 416 Seiten
Teil einer Reihe? Nein.
Genre: Jugendbuch
Empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
Themen: Meer, Familie, Handicap, Krankheit, Geheimnisse, Tod, Vergangenheit, Schmerz, Trauerbewältigung, Einsamkeit

Preis: 14, 99€ (D)

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DAS MEER RUFT MICH. ICH KANN ES SPÜREN.

*** Nach ›Toter Sommer‹ der zweite Roman von Kat Rosenfield ***

Callie Morgan hat Angst vor dem Wasser. Ihre Mutter ist ertrunken – Unfall oder Selbstmord? Durch eine mysteriöse Krankheit steigt das Wasser auch in ihrer Lunge. Doch als ihr Vater ausgerechnet im feuchtwarmen Florida einen Job annimmt, verschwinden die Symptome. Callie findet Freunde, ein Junge verliebt sich in sie. Aber das schicksalhafte Verhältnis ihrer Familie zum Wasser scheint sie zu verfolgen.

EIN ÜBERWÄLTIGENDES BUCH: packende Erzählstimme, hypnotische Atmosphäre, ein unglaubliches Familiengeheimnis! (Quelle: Amazon.de)



Ist es nicht wunderschön? Das Schmuckstück strahlt durch die türkis- grüne Färbung eine melancholische Stimmung aus, die man im Inneren den Buches absolut wiederentdecken kann. In jedem Wort schimmert das türkise Licht der Meereswellen und man hört förmlich die Wellen rauschen. Dazu das Mädchen in Rückansicht und geboren ist ein vollkommen herrliches Cover, was dazu auch noch absolut zum Inhalt des Buches passt. Ich bin sehr begeistert.
Dazu muss ich allerdings sagen, dass auch das Originalcover (rechts) mir äußerst gut gefällt!


Nach dem wunderschön gestalteten Cover musst nun auch der Inhalt überzeugen. Leider war die erste Hürde für mich dabei schon der Schreibstil. Kat Rosenfield konnte mich trotz eingängiger Geschichte und vieler schöner Sätze nicht in ihren Bann ziehen und häufig ertappte ich mich dabei, wie ich abschwiff und meine Gedanken woandershin wanderten. Vielleicht war es auch abgelenkten Momenten geschuldet, aber ich hatte nicht den Eindruck, zu einem Teil von Callies Geschichte zu werden und wenn ich die Lektüre zur Seite legte, so hatte ich nicht den Drang, ganz schnell weiterzulesen, sondern brauchte manchmal Tage, um das Buch wieder zur Hand zu nehmen. Das machte das Lesevergnügen etwas zu nichte und ich bekam leider nicht das Gefühl, hautnah dabei zu sein und mitzufiebern. Schade...


Idee/ Umsetzung:
Bücher mit Familiengeheimnissen haben bei mir schon von Beginn an einen Bonuspunkt, weil ich solche Themen liebe. In Verbindung mit spritzigen Figuren, am besten Jugendlichen Protagonisten und hier auch noch dem Meer(!!) war ich hellauf begeistert von dem Plot der Story. Die Idee ist zwar nicht vollkommen literarisch jungfräulich, aber dennoch so unverbraucht, dass sich ein Blick durchaus lohnen sollte. Das Meer spielt eine große Rolle und die Passagen, in denen es beschrieben wurde, waren wunderschön erzählt und haben mich sehr berührt und mich in  vergangenen Strandurlaube zurückversetzt. Die beschriebene Gegend ist ein Traum und ich würde liebend gerne einmal dorthinreisen. Die Familiengeschichte erwies sich ebenfalls als äußerst geschickte Ausgangssituation und hatte viel Potenzial, um zu einer sagenhaften Geschichte zu reifen. Aber mit der Zeit wurde immer deutlicher, dass mich die Thematik zwar packte, aber durch den Stil mir viel Freude genommen wurde. Ich kam nur sehr zäh voran, da sich die kurz gehaltenen Kapitel wider aller Erwartungen ausdehnten, wie das Meer nach der Ebbe. Leider war bei mir in Sachen Spannung ebenfalls bald Ebbe angesagt und nur mit Mühe blieb ich an der an sich wirklich toll gewebten Geschichte dran. Für mich eine starke Idee, deren Umsetzung bei mir persönlich leider durch den Schreibstil geschwächt wurde und somit eher im Mittelfeld landet.


Charaktere:
Die Autorin bemüht sich hierbei vor allem um besondere und ausgefallene Charaktere, bedient absolut keine Stereotypen und sammelte damit große Pluspunkte bei mir. Callie ist ein bewundernswertes Mädchen mit speziellem Charakter und einer sehr ruhigen, aber starken Persönlichkeit. Ich war sehr froh, sie als Protagonistin verfolgen zu dürfen, da trotz des Stils so die Geschichte interessanter wurde. Allerdings ist ihre Geschichte durchzogen von Melancholie, Ungerechtigkeit und Trauer, wie das Meer von Algen, wodurch das Jugendbuch die eigene Stimmung auch schon einmal in den Keller entführt. Mit vielen anderen Figuren wurde ich spät oder gar nicht warm, aber immerhin hatte ich Callie, die mich seit langem wieder als Figur durch Individualität und eine plastische Persönlichkeit überzeugen konnte.

Ende:
Spoiler sind niemals gut und in Rezensionen eine absolute Sünde, aber bei einem Familiengeheimnis gilt es schon als Todessünde. Deshalb bewahre ich hier absolutes Stillschweigen. Nur so viel: Die an sich eher fade Story nimmt zum Ende hin noch einmal Fahrt auf und konnte mich auf den letzten Seiten durch gut gestrickte Wendepunkte noch etwas positiver stimmen.



Von "Tiefe Wellen" erhoffte ich mir eine dynamische Geschichte mit vielen realistischen Charakteren und einem Geheimnis, bei dem jeder überrascht die Augen aufreißt. Leider fehlte dem Wasser doch eine Priese Meersalz und der Stil machte das Buch  zäh. Callie sollte man sich jedoch nicht entgehen lassen, vor allem bei einem Hang zu Protagonistinnen, gezeichnet von Krankheit und Verlust. Diesen wird auch die bleischwere Melancholie der Geschichte nichts ausmachen. Insgesamt empfehle ich dieses Jugendbuch Fans von maritimen Abenteuern und Jugendbüchern mit melancholischer Trauerbewältigung, wobei man den Stil einfach mögen muss- lest am besten vorher mal rein. Für mich liegt das Buch dank einer enorm überraschenden Wendung im Mittelfeld und ich kann mir gut vorstellen, dass dieses wunderschöne Buch bei einigen tiefe Wellen des Lesevergnügens schlagen kann. 3 Drachen von mir...





Für die freundliche Bereitstellung dieses  Buches danke ich:


 

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