Freitag, 24. November 2017

[Rezension] Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken von John Green

Das ich das noch einmal schreiben darf...hier ist die Rezi zu John Greens neuem Buch *-* 
Achtung! Kann Spuren von purer Schwärmerei über diesen Autor enthalten!! - viel Spaß!





Autor: John Green

Seitenzahl: 288 Seiten
Genre: Jugendbuch 
Originaltitel: Turtles all the way down
Empfohlenes Alter: 14-17 Jahre
Themen: Angststörung, Selbstfindung, Suche, Liebe, Freundschaft, Erwachsenwerden, Gedanken 
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Gebundene Ausgabe (zurzeit LE): 20,00€ (D)







Die 16-jährige Aza Holmes hatte ganz sicher nicht vor, sich an der Suche nach dem verschwundenen Milliardär Russell Pickett zu beteiligen. Sie hat genug mit ihren eigenen Sorgen und Ängsten zu kämpfen, die ihre Gedankenwelt zwanghaft beherrschen. Doch als eine Hunderttausend-Dollar-Belohnung auf dem Spiel steht und ihre furchtlose beste Freundin Daisy es kaum erwarten kann, das Geheimnis um Pickett aufzuklären, macht Aza mit. Sie versucht Mut zu beweisen und überwindet durch Daisy nicht nur kleine Hindernisse, sondern auch große Gegensätze, die sie von anderen Menschen trennen. Für Aza wird es ein großes Abenteuer und eine Reise ins Zentrum ihrer Gedankenspirale, der sie zu entkommen versucht (Quelle: Amazon.de/ November 2017).

Dabei gab es ja sogar schon vor Erscheinung der deutschen Version große Debatten, weil der Verlag zwei Coverentwürfe präsentierte und die Leserinnen und Leser voten ließ, welche Ausgabe sie gerne kaufen möchten. Aufgrund des wohl recht knappen Ergebnisses für die hellblau-orange Version wurde dies zum Hauptcover, allerdings enthält die deutsche Erstausgabe ein Wendecover, bei dem man ebenso das lila-rote Cover ins Regal stellen kann- eine schöne Idee! Ich persönlich habe damals auch für die zweite Version gestimmt, da ich an die Regaloptik mit alle den roten Buchrücken denken musste. So bin also auch noch ich glücklich geworden. Zudem hat diese Ausgabe innen eine gedruckte Signatur und die LE- Nummer abgedruckt.

Aza besucht die High School und hat ein ziemlich normales Leben. Da sind ihre beste Freundin Daisy, Schulkumpel Mychal, ihre überfürsorgliche Mutter und ihr heiß geliebtes Auto. Und dann wären da noch die Gedanken, die in Azas Kopf unendliche Spiralen bilden und sie manchmal gar nicht loslassen. Dann muss Aza einfach über tötliche Krankheiten nachdenken, ihr Pflaster wechseln oder im Internet nach Studien googeln. Zudem ist in ihrer Heimatstadt der millionenschwere Russel Pickett spurlos verschwunden und aufgrund der dicken Belohnung, die auf Hinweise ausgesetzt wurde, begeben sich Aza und Daisy auf Spurensuche.

Ich bin schon lange ein großer Fan von John Green, weil er ganz anders schreibt als so viele andere Autoren. Manchmal sucht man vergeblich einen roten Faden, eine Auflösung oder irgendwelche krassen Wendungen, denn der Autor weiß mit ganz besonderen Figuren, Lebensweisheiten und einer fantastischen Atmosphäre und Spannung zu überzeugen.
Diese Geschichte ist nochmal ganz anders als seine anderen Bücher. Zum einen, weil sein Schreibstil sich verändert hat, gereift ist und mich sehr in seinen Bann gezogen hat, aber auch, weil das Thema hier speziell ist.
Soweit ich gehört habe, leidet John Green ebenfalls an Störungen, die im Angst- und Zwangsbereich anzusiedeln sind, was die Geschichte nochmal ein ganzes Stück realitätsnaher und besonderer macht. Mich als Psychologiestudentin hat die Thematik natürlich auch nochmal zusätzlich angesprochen, also sehr viel Stoff, der hier verarbeitet wird.
Die Geschichte hat insgesamt eine recht ruhige Stimmung- wir lernen Aza und ihren Alltag kennen, erfahren von der Suche nach Pickett und es scheint erst mal diese Suche im Fokus der Geschichte zu stehen. Im Laufe des Buches wird allerdings Aza immer mehr als Mensch zur Haupthandlung, ihre Gedanken, Ängste und wie sie manchmal droht, die Kontrolle zu verlieren. Das heißt, das Störungsbild nimmt hier eine großen Teil der Geschichte ein, was ich unheimlich spannend finde, man aber vorher wissen sollte. Trotz der ernsten Thematik gibt es auch wieder genau die richtige Prise an trockenem Humor, wunderschönen philosophischen Sätzen und Metaphern zum Rausschreiben und eine ruhige, leichte Liebesgeschichte, die sich aber hier eher am Rand abspielt, was ich sehr angenehm empfunden habe.
Insgesamt kann man dieses Buch nicht sehr mit den anderen Werken des Autors vergleichen, finde ich. Es ist anders, etwas ernster, etwas ruhiger, aber keinesfalls schlechter. Mir vergingen die langen Zugfahrten damit wie im Fluge und ich war wirklich sehr enttäuscht, als es enden musste.

Die Figuren machen hier die Geschichte absolut aus. Nicht nur, dass Aza so ein liebenswertes, besonderes und spannendes Mädchen mit unheimlich vielen Facetten ist, auch ihre beste Freundin Daisy war einfach der Brüller. Sie versprüht im Buch am meisten Lebensfreude, Verrücktheit und ist mit sehr witzigen Sprüchen und Aktionen dabei. Selbst die Nebencharaktere sind hier eigentlich alle eine Geschichte für sich wert- der Sohn von Pickett, Davis Junior, der kleine Noah oder auch Mychal, allesamt sind sie authentisch, neben einen wichtigen Platz in der Geschichte ein und machen Azas Welt rund und echt. Für mich sind John Greens Charaktere immer noch die besten, weil sie so herrlich unperfekt und realistisch gezcichnet sind.

Es ist immer ein gewisses Risiko dabei, dass ein Lieblingsautor einen mit seinem nächsten Buch enttäuschen könnte. Bei John Green mache ich mir dahingehend keinerlei Sorgen mehr, denn er ist und bleibt für mich DER Autor für wundervoll realitätsnahe, spannende und besondere Jugendromane.

Vielen Dank an  Bildergebnis für logo lovelybooks für die schöne Leserunde!


Kommentare:

  1. Hallo:)
    ich bin gerade auf Deinen Blog gestoßen und habe mich hier schon ein wenig umgesehen. Erstmal total gemütlich sieht es hier aus und dein Schreibstil ist echt cool:)
    Jetzt erschlag mich nicht, aber ich kenne weder Buch noch Autor :D
    Aber ich habe es mir dafür jetzt ganz schnell auf die Wuli gepackt und wenn ich nächstes Mal im Buchhandel bin, werde ich es mir näher ansehen.
    Ich bleibe gleich noch als Leserin bei Dir und bin sehr gespannt worüber Du sonst noch so berichten wirst.
    Herzliche Grüße
    Andrea
    P.S:
    wenn Du Lust hast würde ich mich sehr über einen Besuch von Dir freuen
    http://www.printbalance.blogspot.de

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    1. Hey :)

      Willkommen im Buchlabyrinth! :))
      Du kennst John Green gar nicht? Ich dachte immer, so gut wie jeder hat zumindest schon mal seinen Namen gehört, allein wegen seinem Youtube Kanal..dann an dieser Stelle eine riesige Probierempfehlung von mir :)

      Danke für das schöne Kompliment, mach es dir gemütlich, ich schaue gerne bei dir vorbei!
      LG, Fina

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  2. Hach, das deutsche Wendecover ist so toll, da hätte ich mir fast das Buch nochmal auf Deutsch gekauft ^^. Aber dafür fand ich es einfach nicht gut genug. Auf zwei Sprachen besitze ich nur ganz besondere Bücher.

    Ich hatte schon im Voraus richtig Ärger mit diesem Buch, weil ich es eigentlich auf Englisch signiert über bookdepository vorbestellt hatte und die mir dann Wochen nach dem Erscheinungsdatum, als ich nachgefragt hab, wann es denn kommt, erst versichert haben, dass es bald kommt, nur um mir dann kurz darauf mitzuteilen, dass sie es leider nicht liefern können (Warum, das haben sie nicht gesagt). Da war es natürlich schon zu spät, um die limitierte signierte Ausgabe woanders zu bestellen...

    Kleine Korrektur zu deiner Inhaltsangabe ;): Verschwunden ist Russell und nicht Davis :D.

    John Green schreibt auf jeden Fall wirklich sehr anders als andere, vor allem was die vielen tollen philosophischen Dialoge angeht, von denen ich mir immer etliche rausschreiben könnte. Auch sind seine Bücher immer relativ ruhig und unaufgeregt, was irritierend sein kann, wenn man ihn nicht kennt, aber eigentlich ein angenehmer Stil ist.

    Genau, John Green hat wohl über das Buch gesagt, dass es ihm sehr wichtig ist, weil er selbst an OCD leidet, und ich finde, das merkt man. Nicht, dass ich beurteilen könnte, ob die Krankheit authentisch beschrieben ist, aber es wirkt zumindest so. Die Beschreibungen sind ja wirklich sehr intensiv und man hat das Gefühl, sich richtig gut in Aza hineinversetzen zu können.
    Ich fand das Thema echt super interessant und toll umgesetzt. Gerade, weil psychische Erkrankungen in Jugendbüchern sonst ja meist nicht so eine große Rolle spielen.

    Dass Aza, wie du sagst, immer mehr zur Haupthandlung wird, war für mich aber auch leider das große Manko des Buches. In den ersten zwei Dritteln hat es mir, bis auf wenige Ausnahmen, sehr an Handlung gefehlt. Und Azas Krankheit war zwar sehr ausführlich beschrieben, aber sie besteht auch gefühlt nur daraus. Bis auf ihre Krankheit und gelegentliche humorvolle Bemerkungen hat sie für mich einfach überhaupt keinen Charakter, was ich total schade fand, da ja gerade so ein Buch ausdrücken will, dass man mehr ist als nur die eigene Krankheit. Ich fand sie weder sympathisch noch unsympathisch, sie hat keine Hobbys, erwähnt selten Dinfem

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    1. Ups, das war nicht alles, aber meine Tastatur hat sich aufgehangen.
      Erwähnt selten Dinge, die sie mag, und so weiter.
      Nur ihre Beziehung mit ihrer Mutter fand ich wirklich süß und interessant.

      Davis fand ich zwar sehr süß, aber auch viel zu gut, um wahr zu sein. Hat der Junge auch irgendwelche Fehler? Er war gefühlt nur dazu da, um zu zeigen, dass „selbst Menschen wie Aza geliebt werden können“.
      Schön fand ich aber, wie seine Perspektive durch seinen Blog eingebracht wird,

      Daisy ging mir unglaublich auf den Sack. Charakter hat sie auf jeden Fall, aber ich finde, sie ist so die klischeehafte beste Freundin der klischeehaften Mauerblümchen-Protagonistin: aufgedreht, selbstbewusst, kontaktfreudig. Und sie ist schrecklich selbstbezogen.
      Erst in ihrem Konflikt mit Aza im letzten Drittel und wenn es um ihre finanzielle Lage ging (auch ein tolles, am Rande eingeflochtenes Thema) fand ich sie interessant.


      Ich war mir bei John Greens neuem Buch echt unsicher, weil ich TFIOS liebe, seine anderen Bücher, die ich kenne, aber nur mittelmäßig fand. Leider gehört Turtles für mich zu den mittelmäßigen, auch wenn es anders ist, als seine anderen. TFIOS wird wohl immer sein Ausnahmebuch für mich bleiben. Thematisch finde ich Turtles trotzdem sehr interessant und freue mich, dass es dir so gut gefallen hat :).

      Liebe Grüße
      Charlie

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    2. Hey, :)

      und wie hast du deine Ausgabe jetzt bekommen? Hast du dann eine Standard Englische Version an Stelle des signierten Exemplares bekommen? Sowas ist ja echt ärgerlich, wenn man die versprochenen LEs nicht liefern kann, soll man das doch erst gar nicht so anbieten...aber wenn dir das Buch nicht soooo gut gefallen hat, ist es ja immerhin nicht ganz so traurig fürs Bücherregal- trotzdem natürlich absolut blöde Situation.

      Der Fehler in der Inhaltsangabe ist ja mal oberpeinlich- habe ich gleich mal korrigiert- danke :D

      Ja, John Greens Stil ist es auch, der mich immer wieder dazu verleiten wird, seine neuen Bücher zu lesen. Obwohl ich bei anderen Büchern gar nicht drauf stehe, wenn die Handlung zu zäh und ohne weitere Vorkommnisse dahinplätschert, mag ich es bei ihm komischerweise echt gerne, weil es ihn einfach ausmacht.

      Dein Hadern mit Aza kann ich definitiv verstehen. Ich habe es als Stilmittel verstanden, dass Aza einfach tatsächlich keine Hobbies, Favoriten oder sonst irgendwelche charakterformenden Eigenschaften hat, da sie tatsächlich vor allem am Anfang sehr in Selbstmitleid schwimmt und sich selbst auch eigentlich nur als die Krankheit wahrnimmt. Dass ist für mich auch der Punkt, den Daisy kritisiert, dass Aza so selbstsüchtig ist und nur an sich bzw. an ihr Leiden denkt.
      Wenn sich das Blatt wendet und Aza nach und nach auch versucht, ihre Mutter mehr teilhaben zu lassen und sich auch Davis öffnet, hätte tatsächlich noch mehr Charakter kommen können, aber vielleicht muss sie, nachdem sie sich sozusagen selbst gefunden hat und sich nicht mehr ausschließlich durch die Krankheit definiert, sich selbst erst mal kennen lernen- wäre eine Interpretation, weshalb Green hier so an Plastizität gespart hat, was ihre Eigenschaften und Vorlieben angeht.

      Die Beziehung zu ihrer Mom hätte noch viel mehr ausgeweitet werden können, finde ich. Neben Daisy, die ja doch etwas speziell ist, hätte ich gerne noch jemand anderen mehr dabei begleitet, wie man als Angehöriger mit der Krankheit umgehen kann, auch, wenn das teilweise ja durchschien.

      Davis war tatsächlich der klischeehafte, verständnisvolle Traumkerl schlechthin. Ich frage mich immer noch ein wenig, was John Green mit dieser aalglatten Oberfläche bezwecken wollte, weil seine Figuren meistens ja eher die sind, die gnadenlos aus der Reihe tanzen und sehr wohl Ecken und Kanten haben- ein Interview wäre eh mal der Knaller, finde ich :)

      Ich habe schon in der Leserunde gemerkt, wie sehr Daisy die Leser/innen spaltet. Ich fand sie neben Aza echt erfrischend, weil sie halt nicht so ruhig war. Als Gegenpol zu Aza brauchte die Geschichte jemanden wie sie, damit man am Ball blieb, fand ich. Mich würde interessieren, ob Daisy gerade wegen Aza noch aufgedrehter war, um sie sozusagen zu kompensieren, oder ob sie einfach nur verrückt ist :D

      Ach ja, TFIOS ist auch mein All time favorite- nicht nur von John Green. Das fällt mir tatsächlich beim Stichwort Lieblingsbuch immer als erstes ein. Aber es ist auch stilistisch ganz anders, als seine anderen Bücher. Was ich noch süß fand, war seine Kurzgeschichte in "Tage wie diese"- kennst du das? Sind so kleine winterliche Kurzgeschichten drin :)

      Viele Grüße
      Fina

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