Sonntag, 21. Februar 2016

[Rezension] So wüst und schön sah ich noch keinen Tag von Elizabeth LaBan

Autorin: Elizabeth LaBan
Gebundene Ausgabe
Originaltitel: The Tragedy Paper
Seitenzahl: 288 Seiten
Teil einer Reihe? Ein Einzelband.
Genre: Jugendbuch
Empfohlenes Alter: 13-16 Jahre

Themen: Internat, Seniorjahr, Freundschaft, Status, Liebe, Schule, Tragödie, Erwachsen werden, Selbstfindung, Schicksal
Preis: 16,90€ (D)
                                                                   
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Im renommierten Irving-College ist es Tradition, seinem Zimmer-Nachfolger eine Überraschung zu hinterlassen. Duncan findet besprochene CDs seines Vorgängers Tim, die eine traurige Liebesgeschichte offenbaren. Tim, der als Albino meist zum Opfer von Anfeindungen und Mobbing wird, verliebt sich darin in die begehrenswerte Vanessa. Mit ihr fühlt er sich das erste Mal nicht als Außenseiter. Trotzdem fehlt ihm der Mut, ihr seine Gefühle zu gestehen. Ein Mangel an Selbstbewusstsein, der zum tragischen Unglück führt. Für Duncan ist Tims Geschichte aber der Anstoß, endlich den entscheidenden Schritt in Richtung Liebe zu tun. Ein mitreißendes Debüt über das Erwachsenwerden, verbotene Liebe und Verlust. (Quelle: Amazon.de)


Das Cover ist das erste, was man sieht. Hier war es das erste, was ich geliebt habe. Diese Aufmachung in einem wunderbaren Winterblau passt nicht nur hervorragend zur gesamten Geschichte, sondern ist auch ganz für sich ein absoluter Blickfang. Die beiden Personen, die da durch den Schnee stapfen, lassen Spekulation zu, ich habe da aber meine ganz persönliche Deutung. Wie bei jedem Hanser- Cover bin ich vollkommen überzeugt von der Optik dieses Buches, besonders deshalb, weil es hundertprozentig zur Geschichte zwischen den Buchdeckeln passt.


Da es das Debüt der Autorin ist, habe ich bisher natürlich noch nichts aus der Feder der Autorin gelesen. Umso überraschter war ich, als mich schon die ersten Seiten komplett in ihren Bann zogen. Die Autorin hat eine sehr feinfühlige, ruhige, aber durchaus spannende Art zu schreiben. Es passiert handlungstechnisch nicht unbedingt viel, aber auf der Gefühlsebene kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, weil die Worte einen mitten ins Herz treffen und in einer ganz leisen und sensiblen Art und Weise berühren. Wenn diese Autorin noch etwas in diesem Genre herausbringt (Bitte!!!) bin ich auf jeden Fall wieder dabei, denn der Stil war etwas ganz besonderes.


Duncan kommt zurück nach Irving- es ist das letzte Jahr im Internat- und voller Vorfreude wartet er gespannt auf seinen "Schatz", ein uraltes Ritual der Schule. Als er in sein wenig einladendes Zimmer einzieht, findet er lauter CDs von seinem Vorgänger Tim. Auf diesen erzählt Tim seine Geschichte und Duncan erfährt die ganze Wahrheit: Über Tim und Vanessa, ihre Gefühle und jener Tag, der letztes Jahr alles veränderte...


Das Jugendbuch versprach ein Internat, eine Liebesgeschichte und ein tragisches Unglück- für mich genug Aspekte, um absolut neugierig zu werden. Und so war es dann auch. Das Buch macht nämlich von Seite zu Seite immer neugieriger, weil bis zum Ende das große Geheimnis des "Unfalls" besteht. Doch auf dem Weg dahin lernen wir unheimlich tolle Figuren kennen, eine mal etwas andere Internatsatmosphäre, ganz viel Gefühl und Zweifel. Das Besondere an diesem Werk ist definitiv die gelungene Sprache, die metaphorische Ebene und die parallele Erzählweise. Denn wir bekommen zwar auch Duncans Leben etwas mit, aber hauptsächlich sitzen wir bei Duncan im Zimmer und horchen Tims Stimme. Bei diesem Buch wäre es tatsächlich sehr reizvoll, das Hörbuch dazu auszuprobieren!

Diese lebendige und sensible Geschichte liebt von den kleinen Momenten großer Freude, Enttäuschung, Stolz oder Niederlage. Von den Botschaften zwischen den Zeilen, tiefgründigen Dialogen und witzigen Passagen, in denen man erkennt, dass die Jugendlichen in Irving auch ganz normale Jugendliche sind, die mit dem Erwachsen werden kämpfen. Dadurch, dass alles sehr realistisch und alltagsnah geschildert ist, bekommt man direkt Zugang zu der Kulisse und den Menschen. Es ist eine Story, wie sie tatsächlich irgendwo auf der Welt passieren könnte, und das macht das ganze noch um einiges aufwühlender.

Zu den Charakteren lässt sich nur eines sagen: Sie leben! Duncan hat trotz anfänglichem Protagonistenstatus doch eine etwas kleinere Rolle und bekommt aber gerade zum Ende hin noch viele liebenswerte Charakterzüge hinzu. Mit Tim war ich schon nach sehr kurzer Zeit vertraut und mochte ihn unheimlich gerne, habe sehr oft mit ihm gelitten und gegrübelt. Die Tatsache, dass er ein Albino ist, fand ich auch klasse Idee, um der Geschichte noch den gewissen Touch zu geben und eine bildsprachliche Ebene einzubauen. Vanessa ist ein interessanter, vielschichtiger Charakter, den man nie vollends entschlüsselt, dafür wusste ich beispielsweise bei Patrick sehr früh, welche Gefühle in mir aufwallen...alles in allem bin ich sehr begeistert von der Tragweite der Figuren und ihren spannenden Persönlichkeiten.

Das Ende- die große Auflösung! Hier spiele ich jetzt mal das Mäuschen und sage gar nichts. Lasst euch überraschen, staunt und fühlt diese besondere Stimmung der Geschichte!


Wer denkt, von einem kurzen Büchlein mit weniger als 300 Seiten könne man nicht viel erwarten, der irrt. Denn dieses Buch hat mir so viel mehr gegeben als so mancher 600 Seiten Schinken. Ich habe in diesem Buch jedes Wort, jeden Buchstaben gefühlt und mit den Figuren gelacht und Tränen aus den Augen gewischt. Selten erlebt man ein so rundes Buch mit verschiedenen Schichten, Themenbereichen und farbenfrohen Charakteren. Ob man es glauben mag, oder nicht, unser Albino Tim ist der farbenfrohste Protagonist von allen, auch, wenn der "ein bisschen wie Schnee" ist...




1 Kommentar:

  1. Was für ein wunderbares Fazit, nun bin ich doch gleich noch neugieriger. Ich liebe es, wenn es Autoren auch mit wenigen Seiten schaffen, den Leser zu begeistern.

    Das Buch liegt bereits bei mir, aber ich liebäugle gerade auch etwas mit dem Hörbuch, weil ich Andreas Fröhlichs Stimme so sehr mag.

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